Straßenbahn in Frankreich - Dijon



Dijon und Besançon liegen an einem von zwei Hochgeschwindigkeitsachsen (Paris-Zürich und Frankfurt-Lyon, TGV Rhein-Rhône) gemeinsam genutzten Streckenstück. In beiden Städten investiert man daher in den Nahverkehr: Der "Last Mile Link" ist unbedingt nötige Ergänzung des Fernreiseverkehrs. Wie schon in anderen Städten an neuen TGV-Bahnhöfen ist die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung damit Anlass für eine Überarbeitung des städtischen Netzes: Der auf die Schiene verlagerte Fernverkehr induziert Bedarf an komfortablen Anschlüssen zum eigentlichen Ziel in der Stadt. So ist zu erklären, dass relativ kleine Städte Straßenbahnen bauen wollen - sie erhoffen sich durch die TGV-Verbindungen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. In Dijon war das bisherige Busnetz bereits überlastet, so dass der Schritt zu einer Tram logisch schien. Wie meist bei neuen Netzen wurden zuerst verschiedene Systeme miteinander verglichen, die schlechten Erfahrungen mit den geführten Bussen in Nancy und Caen ließ die Entscheidung zugunsten einer klassischen Tramway auf Stahlrädern fallen. Um Kosten zu sparen, kauft man die Züge mit Brest gemeinsam - so können insgesamt 52 Züge beschafft werden. Man verzichtet damit zwar auf ein spezielles Design, dafür sind die Kosten pro Wagen aufgrund der Menge günstiger: 2,05 Millionen Euro pro Zug.

Eine positive Ausnahme zu vielen anderen französischen Tramwaybetrieben sind die dichten Intervalle in den Tagesrandzeiten. Während man anderswo schon mal 30 Minuten auf die Tram wartet, fährt man in Dijon bis ca 20.00 alle 10, bis Mitternacht alle 15 Minuten.

Am 21.3.2025 wurde das Projekt einer dritten Linie präsentiert, nachdem die bestehenden Strecken teilweise überlastet sind. Geschätze Kosten der 10 km langen Linie: etwa 200 Mio Euro, Eröffnung könnte 2030 sein. Schon seit 2024 läuft dagegen das Projekt "Capatram", das um 15 Mio Euro fünf bestehende Problemstellen entschärfen soll. Dies beinhaltet den Einbau zusätzlicher Wendemöglichkeiten und Anpassungen der Signalanlagen.

Netzplan

Obwohl Dijon zu der neuen Gruppe von Städten gehört, die beim Bau der Tram Kosten sparen wollten, ist der Stadtumbau gewohnt geschmackvoll und solide gelungen. Herausragend dabei der neugestaltete Place Darcy, ein mit dem Wiener "Mariahilfer Platzl" vergleichbarer dreieckiger Platz am Beginn der größten Einkaufsstraße der Stadt. Vieles ist ähnlich: Die Größe, die Lage, die Tiefgarage unter dem Platz. Der Unterschied zwischen französischem Design und Wiener Hilflosigkeit wird selten so deutlich wie hier: Klare, sorgfältige Gestaltung und hochwertige Materialien in der französischen Provinzstadt (oben) gegenüber wahlloser Anhäufung von hässlichen Objekten in der "Kulturmetropole" Wien (unten). Ein Klick auf die Bilder führt zu einer vergleichenden Fotosammlung!
Update 2025: Inzwischen wurde das "Mariahilfer Platzl" umgestaltet, Bäume und die unvermeidlichen Stauden gesetzt, die Pflasterung erneuert. Substanziell schöner ist er nicht geworden.



Tramway in Dijon (offizielle Seite)

Alle Viennaslide-Fotos zur Tramway in Dijon


Die Zukunft der Städte, Seite 155

Lage in Frankreich

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Letzte Änderung: 24.3.2025